Ein neutraler Ausdruck kann kontrolliert und redaktionell wirken. Er kann aber auch angespannt, distanziert oder leblos erscheinen, wenn Augen und Mund nicht zusammenspielen. Ein dezentes Lächeln verändert oft das Foto, ohne den Menschen zu verändern.
Die Porträtstudie von 2023
Die Forschenden Valuch, Pelowski, Peltoketo, Hakala und Leder nutzten eine breite Auswahl an Porträtbildern und erzeugten mithilfe KI-gestützter Bildverarbeitung neutrale sowie leicht lächelnde Versionen. In zwei Experimenten absolvierten die Teilnehmenden eine schnelle Behalten-oder-Löschen-Aufgabe und eine langsamere ästhetische Bewertung.
Dezent lächelnde Porträts wurden häufiger behalten und ästhetisch besser bewertet. Auch die abgebildeten Personen galten in den lächelnden Versionen im Allgemeinen als attraktiver. Dieses Muster zeigte sich sowohl bei schnellen als auch bei überlegten Urteilen.
Warum der Befund nützlich ist
Die Veränderung des Lächelns war bewusst gering. Das Ergebnis besagt nicht, dass das breiteste denkbare Lächeln bei jedem Porträt gewinnt. Es deutet darauf hin, dass ein maßvoll positiver Ausdruck die ästhetische Qualität eines Bildes und den Eindruck der dargestellten Person verbessern kann.
Die Studie trennte außerdem die Schönheit des Fotos von der Attraktivität der dargestellten Person. Die Teilnehmenden reagierten auf beides, aber nicht so, als handle es sich um exakt dasselbe Urteil. Ein Porträt kann ästhetisch stärker sein, weil der Ausdruck das gesamte Bild lebendiger wirken lässt.
Wichtige Einschränkungen
- Die Ausdrücke wurden digital verändert und nicht während eines echten Fototermins natürlich erzeugt.
- Die Vorlieben unterschieden sich zwischen Teilnehmenden und Bildarten.
- Eine berufliche Funktion, ein Passfoto, ein Modebild oder ein ernstes redaktionelles Porträt kann einen anderen Ausdruck erfordern.
- Ein Lächeln gleicht schlechte Schärfe, extreme Kameranähe oder ungünstige Beleuchtung nicht aus.
So entsteht ein natürliches Mikrolächeln
- Entspannen Sie den Kiefer, statt die Zähne zusammenzupressen.
- Atmen Sie vor dem Auslösen aus, damit Mund und Stirn Spannung loslassen.
- Denken Sie an eine Person oder Situation, die eine kleine echte Reaktion hervorruft.
- Heben Sie die Mundwinkel leicht an, ohne sie seitlich auseinanderzuziehen.
- Nehmen Sie eine kurze Serie auf, während der Ausdruck entsteht und wieder nachlässt.
- Vergleichen Sie neutralen Ausdruck, Mikrolächeln und breiteres Lächeln in Profilbildgröße.
Den Ausdruck auf den Kontext abstimmen
Bei Dating- und sozialen Profilen sind Wärme und Zugänglichkeit oft hilfreich. In einem beruflichen Porträt kann ein kontrolliertes Lächeln Selbstsicherheit vermitteln, ohne zu locker zu wirken. Bei einem dramatischen kreativen Porträt ist ein neutraler, intensiver Ausdruck möglicherweise die bessere Wahl.
Die richtige Frage lautet nicht: „Sollten alle lächeln?“, sondern: „Welcher Ausdruck lässt dieses Bild genau das vermitteln, was es vermitteln soll?“
Ausdruck statt Identität testen
Nehmen Sie mehrere Fotos auf, ohne Kamera, Licht oder Pose zu verändern. Variieren Sie ausschließlich den Ausdruck. So wird die Aufnahme zu einem sauberen Vergleich und Sie verwechseln besseres Licht nicht mit einem besseren Lächeln.
FaceScore kann beim Vergleich der Wirkung verschiedener Darstellungsentscheidungen helfen. Das Ergebnis sollte jedoch immer eine Rückmeldung zum Foto bleiben und kein Urteil über den persönlichen Wert sein.